Wanderverein Ostholstein e.V.

Am Sonntag, dem 18.April 2026, trafen wir uns bei kalten 9°C und steifer Brise in Weißenhaus auf dem Parkplatz „Alte Liebe“, benannt nach einem 1947 in der Nähe gebauten Segelschulschiff.

Als erstes führte uns der Weg hinauf in den wunderschönen Wald des Eitz, der höchsten Ostseesteilküste Schleswig- Holsteins. Hier befindet sich seit 2017 der Begräbniswald „Freden op´n Kliff“ (plattd. „Frieden auf dem Kliff“). Auch unsere Vorfahren haben vor 4000 Jahren schon ihre Toten an diesem besonderen Ort bestattet, wie man an den zahlreichen Hügelgräbern erkennen kann. Nach einem tollen Blick auf die Ostsee ging es vorbei an dem für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglichen Areal des Luxus Resorts „Schloss Weißenhaus“ und des dazugehörenden Strandrestaurants „Bootshaus“ zu einem Grab in den Dünen. Der hier beerdigte Heinrich Kramer war KZ- Aufseher in Auschwitz, hatte den Todesmarsch der Häftlinge begleitet und starb beim Angriff auf die „Cap Arkona“ am 3. Mai 1945. Nach 10 Wochen wurde er an dieser Stelle angespült und begraben. Das sorgte unter uns Wanderern für Diskussionen: Kann so etwas ein Mahnmal oder Denkmal sein? Wäre eine Info- Tafel nicht sinnvoll?

Nachdenklich setzten wir die Wanderung fort, auf der Strandseite begann das Naturschutzgebiet „Weißenhäuser Brök“, rechts von uns verlief der Deich von 1875, der das Hinterland vor einer Ostseesturmflut schützt. „Brök“ bedeutet „Bruchland, Wasser bricht durch, dieses 57 ha große Dünengebiet, steht schon seit 1942 unter Naturschutz und wird zurzeit renaturiert. Robustrinder halten den Bewuchs kurz.  Am Deichsiel des Oldenburger Grabens verließen wir die Küste und wanderten durch tieferliegendes Moor- und Niederungsgelände parallel zum Naturschutzgebiet „Wesseker See“. Dieser See ist ein Teil des Oldenburger Grabens und dient als Rückhaltebecken für ableitende Flüsse des Bungsbergs, als Lebensraum für seltene Vogelarten wie Rohrweihe, Rohrdommel, Eisvogel und Tüpfelteichhuhn sowie der Reetgewinnung. Leider ist er durch Trockenlegung in den 1930er Jahren und durch Verlandung auf ein Drittel seiner Größe geschrumpft, was durch Anheben des Wasserspiegels gebremst werden soll. Allmählich veränderte sich die Landschaft von Niederungsmoor und Bruchwald zu altem Mischwald mit knorrigen Eichen und mächtigen Buchen.  Nach der Pause in einer Schutzhütte passierten wir das einsam gelegene Forsthaus Weißenhaus.

Die letzte Etappe unserer Wanderroute verlief auf einem Pfad hoch oben neben einem Urstromtal, durch das sich ein kleiner Bach mäanderte. Noch ein kurzes Stück an der B202, schon war nach 12 km der Ausgangspunkt erreicht, auf Kaffee und Kuchen im Freiluftbistro „Alte Liebe“ haben wir bei der Kälte verzichtet. Danke an 19 Mitwandernde!

Text und Bilder: Anne Roever / Volker Hubl 25. 04. 2026