Im Schellbruch

Durch das Naturschutzgebiet „Schellbruch“ am 05.11.2017

Text: Dagmar Günzer Foto: Rainer Zimny

Das Novembergrau und der Nieselregen haben die Sonntagswanderer nicht davon abgehalten, das Paradies aus Wald, Wiesen und Wasser zu entdecken. Los geht es im Lauerholz, die grüne Lunge der Stadt Lübeck. Als wichtiges Naherholungsgebiet grenzt es im Osten an die Palinger Heide, aber soweit führt die heutige Wanderung nicht. Der Hochwald mit den Eichen, Rotbuchen, Eschen und Bergahorn überschütten die Wanderer mit einer Orgie aus bunten Farben. Trotz Regen genießt die Gruppe das Rascheln des Laubes unter den Füßen. Schon Rainer Maria Rilke hat den Herbst in seinem Gedicht „Herbstag“ beschrieben (…und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben..). Bald schon überquert die Gruppe den Herrentunnel mit der Herreninsel. Weiter geht es zum ehemaligen Fischerdorf „Gothmund“. Die Siedlung wurde erstmals 1502 erwähnt und bestand nur aus schlichten Holzhütten. Bereits wenig später wurden feste Häuser gebaut. Die reetgedeckten Fischerhäuser können heute betrachtet werden. Denkmalgeschützt sind die Häuser Fischerweg 10 bis 18. Selbst heute gibt es noch einige aktive Fischer in Gothmund. Der Ort liegt am Treidelsteig der Trave, von dem aus die Segelschiffe früher getreidelt wurden. D.h., die Schiffe wurden auf dem Wasserweg durch Menschen oder Zugtiere gezogen, wenn der Wind ungünstig stand. Unmittelbar westlich der Siedlung beginnt das Naturschutzgebiet „Schellbruch“. Der Wanderweg führt entlang der Untertrave und ist als Europäischer Fernwanderweg gekennzeichnet. Der „Schellbruch“ gehört zum Schutzgebietssystem „Natura 2000“. Das Naturschutzgebiet hat eine wechselvolle Geschichte. Beinahe wäre das Naturparadies vernichtet worden. Die Bagger standen schon bereit, um riesige Spülfelder für den Aushub aus der Trave und der Hafenvertiefung anzulegen. Weiter führt die Wanderung entlang der Medebek, die das Lauerholz durchzieht und mit der Großen Lagune zu einem Vogelparadies wird. Inzwischen hat sich das Wetter gebessert und alle Wanderer haben diese besondere Tour genossen. Der Dank geht heute an unseren Lübecker Neubürger Karl, der die Gruppe während der Wanderung mit viel Interessanten versorgt hat.